Mit dem 1. Advent 2018 tritt in der gesamten Evangelischen
Kirche in Deutschland die neue „Ordnung gottesdienstlicher
Texte und Lieder“ in Kraft. Eine mehrjährige Revision der bisherigen
Ordnung ist vorausgegangen. Eine solche Ordnung
regelt, welche biblischen Texte in den Gottesdiensten als
Schriftlesungen vorgetragen werden und zu welchem Text
gepredigt wird. Außerdem enthält die Ordnung die Gebetspsalmen
für die Gemeinde, die Sprüche der Woche bzw. des
Tages und die Halleluja-Verse. Und, nicht zu vergessen, Angaben
zu den Liedern, die mit bestimmten Sonntagen bzw.
Festtagen verbunden sind. Die bisher geltende Ordnung
stammt von 1978, steht aber in einer Tradition, die weit vor die
Reformationszeit in das frühe Mittelalter zurückreicht. Nach
dieser Tradition ist ein festgelegter Abschnitt aus den Evangelien
der wichtigste Text in einem Sonn- und Festtagsgottesdienst.
Das Evangelium gibt das Leitmotiv vor, das dem Sonnoder
Festtag sein Gepräge gibt. Danach richtet sich grundsätzlich
auch die Epistel, eine Lesung aus den Briefen des Neuen
Testaments (einschließlich der Apostelgeschichte und der
Offenbarung an Johannes), und die alttestamentliche Schriftlesung.

Zu diesen drei Lesungstexten treten jeweils drei weitere
Predigttexte. Während die Lesungen an ihrem jeweiligen Sonnoder
Festtag Jahr für Jahr dran sind, verteilen sich die insgesamt
sechs Predigttexte auf sechs Jahrgänge, so dass an
einem bestimmten Sonntag erst im siebenten Jahre wieder
über denselben Text gepredigt wird. Dieses etwas kompliziert
wirkende System hat sich grundsätzlich sehr bewährt. Die neue
Ordnung übernimmt es mit einer spürbaren Änderung: In den
Predigtjahrgängen wechseln sich nun von Woche zu Woche
Texte aus dem Alten Testament, den Briefen und den Evangelien
ab. Diese Erleichterung für Prediger und Hörer wurde
möglich durch die Verdoppelung der alttestamentlichen Texte.
Evangelien-, Epistel- und AT-Texte machen jetzt jeweils ein
Drittel aus. Vor allem der christlich-jüdische Dialog hat zu einer
neuen Hochschätzung des Alten Testaments in allen seinen
Teilen geführt. Aber natürlich gibt es auch weitere Änderungen:
mehr Texte, in denen Frauen vorkommen; mehr Texte mit Bezug
zu heutigen Lebensfragen; mehr Texte mit Resonanzen in
Kunst und Kultur. Die Gebetspsalmen für die gottesdienstliche
Gemeinde sind durchgesehen und z.T. neu bestimmt und zugeschnitten
worden.

Und jeder Sonn- oder Festtag hat nun
zwei Lieder der Woche bzw. des Tages, darunter sehr viel mehr
neue Lieder als bisher. Im Kirchenjahr endet künftig die Weihnachtszeit
stabil mit der Woche, in die der 2. Februar („Lichtmess“)
fällt. Unter die „Weiteren Feste und Gedenktage“ sind
einige Tage neu aufgenommen worden, z.B. der Tag des
Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar)
und der Tag des Gedenkens an die Novemberpogrome (9.
November), aber auch der Martinstag (11. November) und der
Nikolaustag (6. Dezember). In drei Büchern hält die neue Ordnung
gottesdienstlicher Texte und Lieder Einzug in unsere Gemeinden:
im Lektionar, aus dem die Schriftlesungen im Gottesdienst
vorgelesen werden; im Perikopenbuch, das der Gottesdienstvorbereitung
– auch für Lektorinnen und Lektoren– dient;
und in einem Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch
(EG), das die 32 neuen Lieder enthält, die nicht im Stammteil
des EG stehen, dazu alle benötigten Gebetspsalmen.