Nach der tödlichen Messerattacke am Rande des Stadtfestes und
deren Folgen ist deutlich geworden, dass wir in unserer Stadt ein
Problem haben mit einer Minderheit von kriminellen Ausländern
(und Inländern) aber auch mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit
und Antisemitismus. Nicht hilfreich ist es nun pauschal
Menschen und Menschengruppen zu verurteilen und anzufeinden.
Stattdessen braucht es ein deutliches Eintreten für Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit und eine friedliches Miteinander. Hilfreich dazu
sind Gespräche, Begegnungen und nicht zuletzt unsere ureigenste
Aufgabe als Christen, das Gebet. Deshalb laden wir jetzt besonders
ein zum Friedensgebet, jeden Donnerstag 19.00 Uhr in unserer
Gnadenkirche

Fester Bestandteil ist dabei das mit Nagelkreuzgebet mit
der Kernbitte „Vater vergib!“ Es ist erwachsen aus der Versöhnungsarbeit
nach dem 2. Weltkrieg und verbindet uns mit vielen Menschen
und Orten in Deutschland und weltweit. Nachdem die Deutschen
1940 bei einem Bombenangriff die englische Stadt Coventry mit der
großen gotischen Kathedrale fast vollständig zerstört hatten, zog der
damalige Domprobst Howard einige Balkennägel aus dem Schutt
und fügte sie zu einem Kreuz zusammen und ließ in den noch
vorhandenen Steinaltar die Worte meißeln: „Vater vergib!“
Sogleich wurde er angegriffen, von denen, die meinten, die Bitte
müsse heißen: „Vater vergib ihnen!“ – den Deutschen, den Tätern,
den Schuldigen. Er jedoch blieb bei der Überzeugung, dass wir alle
immer wieder Vergebung brauchen und dass nur aus dieser Haltung
Frieden erwachsen kann. Daraus ist das Nagelkreuzgebet
entstanden, das an vielen Orten gebetet wird, die von Gewalt und
Zerstörung betroffen waren, oder die sich die Bitte um Frieden und
Versöhnung zum Anliegen gemacht haben.

Liturg: „Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie
bei Gott haben sollten.“ (Röm. 3,23)
Darum beten wir: Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Gemeinde: Vater vergib!
L: Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu
besitzen, was nicht ihr eigen ist:
G: Vater vergib!
L: Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnützt und die
Erde verwüstet:
G: Vater vergib!
L: Unseren Neid auf das Wohlergehen und das Glück der anderen:
G: Vater vergib!
L: Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen
und Flüchtlinge:
G: Vater vergib!
L: Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:
G: Vater vergib!
L: Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und
nicht auf dich:
G: Vater vergib!
Alle: „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer
dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Eph. 4,32)

Amen

Herzlich grüßt Sie auch im Namen des Kirchenvorstandes
und der Mitarbeiter

Ihr Pfarrer
Christian Bilz